DREHTAG 1

Am 27. Juni 2025 starteten wir mit der Produktion von „Delight”. Unser Plan war es, zuerst alle Aussenaufnahmen zu drehen, um für die gesamte Produktion möglichst flexibel hinsichtlich der Wetterverhältnisse zu sein. Hätte das Wetter nicht mitgespielt, so hätten wir noch genügend Spielraum gehabt, um einen weiteren Drehtag zu organisieren.

Hier im Folgenden einige Einblicke hinter die Kulissen für euch, die spezifisch mit diesem Drehtag zusammenhängen.

Yves, Sven und ich hatten uns bereits am 22. Juni mit einigen Testshoots auf den kommenden Dreh vorbereitet. Wir legten fest, wo welche Szene genau spielen würde und aus welcher Richtung die Charaktere durchs Bild kommen würden. Anschliessend haben wir unser Storyboard genau darauf angepasst.

Wir haben uns bei der Auswahl der Location für den Film für einen Extreme-Wide-Shot entschieden. Dadurch ist leicht erkennbar, wo die Szene spielt. Die Natur und die Ruine hinterlassen eine eindrucksvolle und mächtige Erinnerung, während unser Protagonist auf diesem Bild so klein wirkt. Das passt zur Stimmung der Szene, die wir erzeugen möchten.

Testaufnahme, Extreme Wide Shot
Testaufnahme an der Aare

Wir warteten bis zur Blue Hour mit dem Drehbeginn, da wir ausschliesslich Szenen hatten, die nachts spielten.


Wir hatten Glück, das Wetter war perfekt. Zum ersten Mal war unsere gesamte Crew vereint. Die Stimmung war fantastisch, es wurde schnell klar, dass wir alle sehr gut miteinander klarkommen werden.

Das Zeitfenster war jedoch knapp und wir mussten unseren Rhythmus erst finden, ein paar Aufnahmen haben am Schluss des Tages gefehlt, da es zu dunkel wurde, also mussten wir noch einmal an einem anderen Tag zur Ruine zurückkommen, um eine wichtige Dialogszene aufzuzeichnen. Am Ende des Tages während des Aufräumens hatten unsere Scheinwerfer leider sehr viele Stechmücken auf uns gezogen, für alle weiteren Drehtage habe ich jeden ausdrücklich gebeten sich ordentlich mit Mückenspray einzunebeln.

Kleiner Funfact zum Tag

Für diese Drehlocation haben wir eine extra Fahrerlaubnis für unser Equipmentauto organisiert. Ansonsten hätten wir mit all unserer Ausrüstung etwa 300 Meter zu Fuss laufen und eine steile Treppe überwinden müssen.


DREHTAG 2

Unser zweiter Drehtag fand am 28. Juni 2025 in Niederrohrdorf statt. Als Drehorte dienten uns eine unscheinbare Bushaltestelle, ein kleiner Gehweg, der durch einen Wald führte, sowie ein mit Kies bedeckter Feldweg. Sven, Yves und ich besprachen als Erstes den Tagesablauf. Auch heute wollten wir wieder viele Aufnahmen in der Blue Hour machen, also musste alles glattlaufen. Wir gingen alles noch einmal durch und konnten unseren Plan vor Ort leicht verbessern, während unsere Hauptdarsteller in der Maske waren.

Wir haben als Erstes die Shots beim Waldweg aufgenommen, hier war es wegen des vielen Schatten den die dichten Bäume erzeugt haben, bereits möglich recht früh zu drehen. Obwohl es noch sehr hell war, konnten wir die Aufnahmen starten, weil wir Day for Night für diese Szene nutzen konnten.


Um zum Feldweg zu gelangen, mussten wir einige hundert Meter laufen. Das war mit dem Equipment gar nicht so leicht. Wir mussten unsere Crew aufteilen: Ein Teil (Kamera, Regie und Cast) ging zum Feldweg, während die anderen beim Equipment und der Maske an der Bushaltestelle blieben. Während wir die Aufnahmen am Feldweg machten, trafen die übrigen Schauspieler ein, die ebenfalls geschminkt werden mussten. Wir blieben telefonisch in Kontakt. Mit Sven habe ich die geplanten Shots noch einmal besprochen, während wir auf den Sonnenuntergang gewartet haben. Wir strichen noch ein paar wenige Shots von der Shotliste, um Zeit für die Blue Hour zu sparen.

Auf dem weiten Feld warf die Sonne extrem lange Schatten. Wir mussten genau den Moment abwarten, in dem der Schatten des Schauspielers verschwand. Wir wollten möglichst viel Zeit in der Blue Hour haben. Da der erste Shot ein Extreme Wide war und das Areal sehr offen war, musste Sven mit der Kamera ausgesprochen weit weg von mir und Colin sein. Wir konnten uns nicht mehr verständigen. Also haben wir ein Telefonat gestartet, damit wir miteinander sprechen konnten. Sven hat mir den Moment mitgeteilt, ab dem er auf der Kamera den Schatten von Colin nicht mehr sehen konnte. Ab diesem Zeitpunkt konnten wir mit den Aufnahmen am Feld beginnen.

Wir hatten zwei Szenen auf diesem Feldweg, die jedoch zu unterschiedlichen Zeiten spielen. Unsere Schauspieler mussten sich also mitten in der Blue Hour noch umziehen. Es wurde etwas hektisch, aber wir haben es geschafft.

Erste Szene, Anfangs der Blue Hour
Zweite Szene, Ende der Blue Hour

Mit dem gesamten Cast ging es nun an die letzte Szene des Tages. Ursprünglich waren hierfür nur zwei Shots geplant, aber da wir noch Zeit hatten, haben wir spontan noch ein paar zusätzliche Shots aufgezeichnet. Während wir dort gedreht haben, kam der Bus nur einmal. Es war ein merkwürdiges Gefühl, mit so vielen Leuten an einer Bushaltestelle zu stehen, jedoch mit niemandem einzusteigen. Ausserdem war an dieser Strasse laufender Verkehr, es war eine 80er-Zone. Wir waren bei den Aufnahmen äusserst vorsichtig und haben aufgepasst, dass niemand versehentlich auf die Strasse läuft, aber dennoch war es nervenaufreibend.

Cast Gruppenfoto, Colin Sprenger, Fiona Rosamilia, Vanessa Vezzù, Alex Alves, Pamina Schenk

DREHTAG 3

Am dritten Drehtag dem 04. Juli 2025 waren wir zurück bei der Ruine Freudenau. Es war eine einzige, aber wichtige, dramatische Dialogszene auf dem Programm.

Während das Kamerateam das Equipment gecheckt hat, haben wir uns viel Zeit genommen, um den Dialog mit den Schauspielern zu üben. Dafür hatten wir wieder bis zum Sonnenuntergang Zeit.

Colin und Fiona, unsere beiden fantastischen Hauptdarsteller, brachten so viel Geduld und Engagement mit. Egal, wie oft ich etwas anders verlangte und wir die Szene wiederholten, sie blieben präsent, konzentriert und offen. Ich bin sehr froh, sie in unserer Besetzung zu haben. Es hat sehr viel Spass gemacht, mit ihnen zu proben und ihnen dabei zuzusehen, wie sie die Szene selbst interpretierten. Mit solchen Schauspielern zusammenarbeiten zu dürfen, ist wirklich schön.

Yves hat uns auch bei den Proben unterstützt. Da er und ich bereits Theatererfahrung haben, hatten wir einen zusätzlichen Erfahrungswert, was das Schauspielern angeht.

Das Schauspielern im Theater unterscheidet sich zwar eindeutig sehr vom Schauspielern in Filmen, dennoch glaube ich, dass mir diese Erfahrungen in der Regie bereits auch weitergeholfen haben. Es ist einfacher sich in den Cast zu versetzen und ihnen zu helfen, wenn Probleme auftauchen.

Um mehr Energie und Emotion aus der Szene zu holen, haben wir sie einmal in „American” durchgespielt. „American” ist eine Probetechnik, die Yves und ich aus unserem Theaterverein kennen. Dabei spielt man die zu probende Szene mit massloser Übertriebenheit, was Stimme, Lautstärke, Energie und Körpersprache angeht. Wenn man danach von dieser Übertriebenheit wieder einen Gang zurückschaltet, hilft es enorm, neue schauspielerische Möglichkeiten zu entdecken und die Energie einer Szene etwas anzuheben. Das ist vergleichbar mit dem Gefühl, von der Autobahn runterzufahren und sich im normalen Verkehr sehr langsam vorzukommen, obwohl man gar nicht so langsam ist.

Fiona und Colin bei der Probe
Luca mit dem Filmskript in der Hand

Bevor wir mit den eigentlichen Aufnahmen begonnen haben, haben wir die Belichtung eingerichtet und ein paar Trockendurchläufe mit den Kamerabewegungen durchgeführt.

So konnten wir uns möglichst gut erneut auf die kommenden Aufnahmen vorbereiten.

Als es dann so weit war, haben die Schauspieler ihr Werk gut vollbracht, sodass wir relativ flott mit der Szene durch waren. Da wir noch Zeit übrig hatten, haben wir noch einen Shot den wir am ersten Tag gemacht haben nochmal wiederholt.

Insgesamt war das ein eher kurzer und erfolgreicher Drehtag.

Sven Brauchli mit dem Easyrig

DREHTAG 4

Tag 4 fand am 05. Juli 2025 statt. Ein sehr interessanter Tag an dem wir uns wahnsinnig viele Shot vorgenommen hatten, sowohl draussen als auch drinnen. Und es war für uns das erste Mal, dass wir mit einer Katze, genauer genommen einem Kater gedreht haben.


An diesem Tag haben wir ein Zimmer zweimal komplett umgeräumt, um es für zwei verschiedene Szenen nutzen zu können. Wir waren für einige Aufnahmen vor dem Haus nach Einbruch der Dunkelheit draussen und haben einen Shot mit einem selbst hergestelltem Regen gemacht.

Yves Geiger auf dem Garagendach

Wir wollten für den Film die Aufnahme vom Regen machen, der an ein Fenster prallt. Nur hat es eben nicht geregnet, was wir jedoch schon geahnt hatten. Um diese Aufnahme also zu schaffen, haben wir uns mit einem Gartenschlauch weitergeholfen. Dazu musste Yves auf ein benachbartes Garagendach klettern und auf mein Kommando für den Regen warten. Mit den richtigen Lichtverhältnissen war nicht zu erkennen, dass es draussen eigentlich gar nicht geregnet hat.


DREHTAG 5

Der fünfte Drehtag war am 06. Juli 2025. Unser dritter Tag in folge. Es wurde ein langes Wochenende für uns. Wir hatten an diesem Tag einige freiwillige Statisten auf dem Set. Wir arbeiteten an einer Partyszene, die in einem Partykeller spielte. Den Raum haben wir zuvor selbst nach unseren Vorstellungen dekoriert und belichtet.

In dieser Location wollten wir mit farbigen Lichtern agieren. Wir haben uns dabei ganz an das Farbkonzept des Films gehalten. Dieses sieht vor, dass in Szenen, die in der Vergangenheit spielen, kein Blauton vorkommt. Deshalb habe ich die Statisten auch gebeten, sich vorwiegend in Gelb, Rot oder Grün zu kleiden.

Wie man sieht sind die Scheinwerfer auf Rot und Grün eingestellt, damit konnten wir Tiefe und Kontrast schaffen.

Statist in der Maske

Yves kümmerte sich an diesem Tag überwiegend um die Statisten, während ich mich mehr um die Hauptdarsteller und die Kamera kümmerte. Wir mussten immer wieder Pausen einlegen, da es im Drehraum nur ein Fenster gab und es sich mit so vielen Leuten sehr schnell sehr stickig wurde. Ausserdem war es ein heisser Tag.


Wir waren sehr froh darüber, dass die Statisten erschienen sind und sich alle so sehr für das Projekt interessierten. Allerdings waren es etwas wenige, ein paar mehr hätten wir uns zwar gewünscht. So mussten wir die Anwesenheit der Statisten sehr präzise koordinieren, damit der Raum immer einen gefüllten Eindruck machte. Während der Wartezeiten begaben sich alle in die Maske und unterhielten sich.

Es war einer der unterhaltsamsten Tage überhaupt. Wir hatten den ganzen Tag Zeit und konnten alles in eine Szene stecken. Wir kamen spontan auf zusätzliche Shot Ideen, die ihr dann aber im fertigen Film sehen werdet.


DREHTAG 6

Der finale Drehtag, am 12. Juli 2025 war der krönende Abschluss der Dreharbeiten für den ganzen Kurzfilm.

Wir hatten deutlich mehr Statisten als am Drehtag zuvor, weshalb es auf der Location plötzlich sehr eng wurde. Equipment, viele Leute und enge Gänge – dazu war die Räumlichkeit eigentlich gar nicht so gross. Wir waren dennoch froh, dass wir definitiv genügend Leute hatten, um das Ganze zum Leben zu erwecken.

Wir durften in der schönen 3-Sterne Bar in Untersiggenthal drehen.
Von der Bar war ich bei der Besichtigung begeistert. Sie sah genau so aus, wie wir es uns vorgestellt hatten, und es gab bereits einige installierte Lichter, die wir als practical Light nutzen konnten.

Auch hier wurde es mit den vielen Leuten innen wieder sehr heiss. Das erforderte wieder sehr viele Lüftungspausen. An diesem Tag brauchten wir für viele Shots etwas mehr Takes als sonst, weil viele Bewegungen von Kamera und Schauspieler sehr exakt passen mussten.

Mitten im Dreh hatten wir plötzlich ein Problem mit der Kamera: Am Akkumount ist etwas kaputtgegangen. Wir haben sofort reagiert, Werkzeuge zusammengesammelt und versucht, die Kamera wieder zu reparieren. Da aber unklar war, ob das gelingen würde, schickte ich Yves los, um für den schlimmsten Fall auch gleich unsere Ersatzkamera zu holen. Glücklicherweise war die Kamera nach knapp 50 Minuten wieder funktionsfähig. Unserem Drehplan hat das nicht geschadet, da wir von Anfang an genügend Puffer für solche Szenarien eingeplant hatten. Es hat sich gelohnt.

Als wir dann nach draussen gingen, haben wir die Statisten entlassen und die letzten beiden Takes im Freien aufgenommen. Zu meiner Überraschung sind jedoch alle Statisten geblieben. Das ist mir erst draussen aufgefallen, als ich während eines Takes hinter mich schaute und bemerkte, dass etwa 20 Statisten unsere Crew und besonders mir zuschauten. Ich war so sehr darauf konzentriert, die letzten Takes gut zu koordinieren, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass ich beobachtet wurde. Glücklicherweise hat mir das überhaupt nichts ausgemacht. Als wir mit dem Dreh fertig waren, sagten mir alle, dass sie sehr gern zugesehen hatten.


Wir sind sehr glücklich darüber, wie die Drehtage insgesamt gelaufen sind. Ausserdem hätten wir uns für die Produktion kein besseres Team wünschen können. Am letzten Drehtag habe ich die Rückmeldung erhalten, dass viele Leute traurig darüber sind, dass die Dreharbeiten bereits abgeschlossen sind. Vielen hat die Stimmung auf dem Set ausserordentlich gut gefallen – mir übrigens auch.

Nun gehen wir mit einem guten Gefühl in die Postproduction von „Delight“.

Vielen Dank an alle die uns so freundlich unterstützt haben!

Gruppenfoto, Cast und Crew von Delight

11–17 Minuten

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